Tutorat Rike Ranzenbacher
19. November 2025

Foto: Rike Ranzenbacher
Sechswöchiges Tutorat von Rike Ranzenbacher vom 1.09. bis 10.10.2025 an der Universität Vilnius
Vom 1.09. bis 10.10.2025 durfte ich sechs Wochen im Rahmen eines Lehrpraktikums an der Universität Vilnius in Litauen verbringen. In der Vorlesung „Einführung in die Digital Humanities" hat Frau Prof. Zinsmeister auf die Institutspartnerschaft „Korpusdidaktik und formelhafte Sprache“ (gefördert durch den DAAD) der Universitäten Vilnius und Hamburg aufmerksam gemacht, woraufhin ich mich für das studentische Tutorat des Programms bewarb. Als ich eine Zusage bekam, habe ich mich sehr gefreut, praktische Lehrerfahrungen in der Auslandsgermanistik zu sammeln und ein für mich neues Land kennenzulernen.
Mein erster Tag war auch allgemein Semesterstart bzw. Schulstart in Litauen. Es fanden große Feierlichkeiten an der Universität statt: Immatrikulationsfeier in der Uni-Kirche, eine Informationsveranstaltung der Erstsemester aus der Germanistik sowie der Umzug aller Studierenden entlang der Gedimino pr. zum großen Innenhof der Universität, wo auf die Wichtigkeit der Bildung aufmerksam gemacht werden soll.
Am nächsten Tag begann der universitäre Alltag. Während meines Praktikums hatte ich die Gelegenheit, sowohl hospitierend als auch aktiv unterrichtend tätig zu sein. In den ersten Wochen stand vor allem die Hospitation im Vordergrund. Ich konnte mich mit den Lehrplänen der verschiedenen Dozierenden am Lehrstuhl auseinandersetzen und wurde stetig freudig mit in den Unterricht genommen. So konnte ich in verschiedensten Kursen hospitieren, darunter Gegenwartsdeutsch, Syntax, Stilistik, Kurse bzgl. Landeskunde, Rhetorik, Soziolinguistik oder juristisches Deutsch. Ich konnte an den verschiedenen Lehrveranstaltungen teilnehmen und unterschiedliche Unterrichtsstile, Formate, Methoden und didaktische Ansätze kennenlernen.

Foto: Rike Ranzenbacher
(Umzug der Studierenden am 1.09.2025)
Bereits in meiner zweiten Woche vertraute man mir einen Kurs von Studierenden auf B1-Niveau aus den verschiedensten Fakultäten der Universität an, wofür mir ein Konvolut an Aufgaben mitgegeben wurde. Im weiteren Verlauf konnte ich auch eigene Unterrichtseinheiten gestalten und übernehmen. Dabei plante ich die Unterrichtsstunden, erstellte die Materialien und führte Übungen und Diskussionsphasen eigenständig durch.
Insgesamt gehörten zu meinen Aufgaben:
- Hospitationen
- Planung und Umsetzung von Unterrichtseinheiten
- Unterstützung bei der Vorbereitung und Korrektur von Unterrichtsmaterialien und Klausuren
- Teilnahme an Lehrstuhlbesprechungen und Seminaren
- Beobachtung und Analyse der Sprachlernprozesse der Studierenden
Durch den Aufenthalt konnte ich wertvolle Erfahrungen im Bereich der Sprachvermittlung sammeln. Besonders hilfreich war die Möglichkeit, den Unterricht aus der Perspektive der Lehrenden zu erleben und mit ihnen gemeinsam zu reflektieren. Ich lernte, Unterricht gezielt zu strukturieren, Lernziele zu formulieren und flexibel auf die Bedürfnisse der Studierenden einzugehen. Zudem gewann ich Einblicke in den akademischen Lehralltag einer Universität und die Arbeit im internationalen Kontext.
In den sechs Wochen gab es zudem einige Gäste am Lehrstuhl, zu deren Veranstaltungen ich herzlich eingeladen wurde. Zum einen war Frau Prof. em. Christa Dürscheid von der Universität Zürich für einige Tage in Vilnius. Besonders interessant fand ich den Austausch mit ihr und ihren Eindruck von den litauischen Studierenden. Zum anderen war Christine Koschmieder, deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin, für einen Forschungsaufenthalt in Litauen und kam für ein Gespräch in Verbindung mit einer Lesung bei der Universität Vilnius vorbei. Zudem bot sich mir die Möglichkeit für einen Besuch beim Goethe-Institut in Vilnius. Hier hat sich Nijolia Buinovskaja, stellvertretende Institutsleiterin, großzügig Zeit für ein Gespräch genommen und die Geschichte, Ziele und Projekte des Goethe-Instituts in Litauen vorgestellt.

Foto: Rike Ranzenbacher
(Konzertbesuch im LVSO-Konzertsaal)
Neben meinem Lehrpraktikum wurde mir auch genügend Zeit gegeben, die Stadt und die Menschen kennenzulernen. Auf einige Veranstaltungen wurde ich von den Mitarbeitenden aus dem Lehrstuhl aufmerksam gemacht. Während meiner Freizeit konnte ich an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen, darunter Stadtfeste, Museumsbesuche, Kunstausstellungen, Lesungen oder Theater- und Orchesterbesuche. Zudem boten sich die sechs Wochen Aufenthalt auch an, um Besuch aus Deutschland in Vilnius zu empfangen.
Natürlich gab es neben der positiven Erfahrung auch ein paar Herausforderungen. Hier sind besonders die Unterschiede zum deutschen System zu benennen, wo im Unterrichtsgeschehen viel auf Eigeninitiative der Studierenden gesetzt wird. Ich musste erst selbst die Erfahrung machen, vor einem Kurs zu stehen, wo sich bei Fragen nicht gemeldet wurde, um diese Einstellung vollends zu begreifen. Stattdessen muss man die Studierenden einfach drannehmen, damit sie etwas sagen. Nachdem ich mich darauf eingestellt und das Verhalten in die Unterrichtsplanung einbezogen habe, konnte ich auch schnell damit umgehen. Generell fand ich die Unterschiede zu einem deutschen Universitätsbetrieb sehr spannend zu beobachten, bspw. die Notenvergabe sowie Anzahl und Formen der Prüfungen.
Insgesamt war das Lehrpraktikum an der Universität Vilnius eine sehr bereichernde und lehrreiche Erfahrung. Ich konnte meine theoretischen Kenntnisse praktisch anwenden, wertvolle pädagogische Erfahrungen sammeln und meine interkulturelle Kompetenz erweitern. Das Praktikum hat meinen Wunsch bestärkt, im Bereich der Vermittlung und Lehre tätig zu sein. Besonders die Arbeit mit internationalen Studierenden sowie das akademische Umfeld haben mich motiviert, meine didaktischen Fähigkeiten weiter auszubauen. Außerdem hat das Praktikum mir meinen langen Wunsch eines Auslandsaufenthalts im Studium ermöglicht, wozu es davor leider nicht gekommen ist.
Ich bedanke mich herzlich bei Frau Dr. Vaiva Žeimantienė und Frau Dr. Skaistė Volungevičienė sowie dem gesamten Lehrstuhl für deutsche Philologie an der Universität Vilnius für ihre Offenheit und ihr Vertrauen mir gegenüber, genauso wie bei Prof. Dr. Heike Zinsmeister und den Koordinator:innen an der Universität Hamburg für die Gelegenheit, in Vilnius die Universität Hamburg für kurze Zeit vertreten zu dürfen.
Autorin: Rike Ranzenbacher